veröffentlicht am 10. September 2014

Wir sind aus dem Urlaub zurück und wieder einmal ist es unbeschreiblich schön gewesen. Wir fahren gern hoch in den Norden, wo es einsam ist und wild und man außer Möwengeschrei und Windböen nichts zu hören bekommt. Zuhause erzählen uns Freunde von ihrer Reise in den Süden: Von lieblichen Hügeln in der Toskana und einem Licht, das nicht zu beschreiben ist. Ein anderes Paar hat direkt vor der Haustür Ferien gemacht. Sie waren mit Zelt und Kajak unterwegs und schwärmen von Kaffee bei Sonnenaufgang, Pirolgesang und zartem Nebel über kleinen Seen.

In all diesen Erinnerungen steckt ein Leuchten. Ich kann es beim Erzählen förmlich sehen. Und denke daran, was einmal über den heiligen Franziskus geschrieben wurde: „Dieser glückliche Wanderer hatte seine Freude an den Dingen, die in der Welt sind, und nicht einmal wenig. Er sah die Welt als klaren Spiegel von Gottes Güte …Was er in der geschaffenen Welt fand, führte er auf den Schöpfer zurück. Er erkannte im Schönen den Schönsten selbst.“ (2 C 165)

Franziskus hat Schönheit gesehen und Gott darin entdeckt. Seine viel zitierte Liebe zur Natur war mehr als das ökologische Bewusstsein, das wir heute aufbringen. Für ihn war die Welt nicht nur schön, sie war durchsichtig auf Gott hin: „Er erkannte im Schönen, den Schönsten selbst.“

Mir gefällt dieses Gottesbild. Mir gefällt, dass Gott an dieser Stelle einmal nicht als Macher auftaucht, nicht als Herrscher oder Lenker der Welt, sondern einfach als der Schönste von allem. Und ich bekomme eine Ahnung von der Überschwänglichkeit Gottes, von seiner Großzügigkeit, von all der Bedingungslosigkeit, die seiner Liebe eigen ist. Denn die Schönheit der Welt ist im Überfluss und für alle da. Die hat sich niemand verdient, die liegt uns einfach zu Füßen. Zugegeben, wir tun eine Menge dafür, sie zu verringern, wir ignorieren sie hartnäckig, wir zerstören sie skrupellos. Aber sie ist trotzdem überall da, ob im großen Panoramablick übers Meer oder im kleinen Blumenkasten auf dem Balkon. Die Erfahrung von Schönheit der Schöpfung muss keine Urlaubserinnerung bleiben. Zugegeben, im Urlaub haben wir buchstäblich mehr Luft, die Welt um uns herum wirklich wahrzunehmen. Aber ihre Schönheit ist ja nicht fort, wenn wir wieder nach Hause kommen. Ich nehme mir jedenfalls vor, viel öfter mit diesem Gedanken auch durch meinen Alltag zu gehen: In all dem Schönen, was ich um mich herum sehe, immer wieder den Schönsten zu entdecken.

 

Mit diesen Gedanken von Dr. theol. Martina Kreidler-Kos (Diözesanreferentin der Frauenseelsorge im Bistum Osnabrück) möchten wir

allen einen guten Start nach den Ferien und Urlaubstagenwünschen.