veröffentlicht am 27. Februar 2016

Anlässlich des „Jahres der Barmherzigkeit“ ging es bei der ersten KAB-Bezirksarbeitstagung des Jahres am Samstag, d. 27. Februar darum, sich aus christlicher Verantwortung heraus mit der Flüchtlingsthematik auseinanderzusetzen. Nach der Begrüßung durch den Bezirksvorsitzenden Christoph Pelke hatte zunächst Margret Pues vom Fachbereich Migration im Caritasverband OS das Wort. Eindrucksvoll beschrieb sie die Situation der Flüchtlinge, die sie u.a. aus ihrer direkten Arbeit in der Erstaufnahme-Einrichtung in Bramsche-Hesepe kennt. So sei die Krise nicht vom Himmel gefallen, sondern habe sich sukzessiv ab 2014 entwickelt. Schon vor Jahren sei absehbar gewesen, dass Menschen, die keine Perspektive für sich und ihre Familien sähen (Krieg, wirtschaftl. Bedingungen, Verfolgung …), sich auf den Weg machen würden. Hauptländer für die Aufnahme von Flüchtlingen seien zurzeit die Türkei (1,7 Mio.), Pakistan (1,6 Mio.), der Libanon (1,2 Mio.) oder Jordanien.

In Hesepe sind im Moment etwa 650 Asylsuchende untergebracht. Nach den chaotischen Verhältnissen vor einigen Monaten mit geschätzt über 5000 Menschen sei nun etwas Ruhe eingekehrt. In diesem Rahmen erklärte M. Pues, dass jeder, der einreist, nur die Möglichkeit über das Asylverfahren hat (Weg über Visaverfahren sei schwierig) und kritisierte, dass unsere Verwaltungsstrukturen nicht funktionieren würden – so fehle bislang ein einheitliches bundesweites Melde- und Erfassungssystem. Pues ging im Weiteren auf Sprachkurse, Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge und das neue Asylpaket II ein. Bei all dem zeige die aktuelle Diskussion, dass Europa, keine Wertegemeinschaft mehr sei, sondern eine Wirtschaftsgemeinschaft. Nur die „alteuropäischen“ Länder unterstützen Bundeskanzlerin Merkel ansatzweise.

Nach der aktuellen Bestandsaufnahme erklärte die Caritasmitarbeiterin, dass es keine kurzfristigen Lösungen hinsichtlich der Flüchtlingskrise geben würde. „Wir müssen uns öffnen und akzeptieren, dass wir Flüchtlinge haben und behalten werden und dass unsere Gesellschaft sich verändern wird. Als Christen seien wir aufgerufen, Flagge zu zeigen und öffentlich zu machen, wofür wir stehen.

Auf christliche Beweggründe ging Bezirkspräses, Diakon Harald Niermann, nach dem Mittagessen noch einmal ein. So heißt es im Buch Exodus etwa „Fremde wart ihr selbst im Lande Ägypten“ – und neutestamentlich erinnerte Niermann an die Gastfreundschaft Jesu und ging auf die Gerichtsrede in Mt 25 ein: „Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“

Nach dem Sehen und Urteilen ging es im dritten Teil der Tagung dann um Überlegungen und Aktionsvorschlägen zum Handeln. Forderungen an sich selbst und an die Politik wurden aufgestellt (beispielhaft: „Flüchtlinge als Menschen sehen; Armut vor Ort bekämpfen; Integrationsbedingungen verbessern …“) und konkrete Aktionsmöglichkeiten besprochen (Sprechstunden der Politiker nutzen; Patenschaften eingehen, Wohnraum oder andere Hilfen anbieten …). Jeder KAB-Ortsverband, aber auch jede und jeder für sich ist aufgefordert, sich zumindest positiv zu äußern und nach eigenen Möglichkeiten zu engagieren.