veröffentlicht am 27. September 2014

Gut gelaunt trafen sich am Samstag, dem 27. September, frühmorgens um 7.15 Uhr sechs Ehepaare unseres Familienkreises am Hauptbahnhof Osnabrück, um nach Köln zu fahren.
Pünktlich fuhr der ICE ein und ausgestattet mit Brötchen und Kaffee konnte die Reise beginnen. Nach angenehmer Fahrt erreichten wir die Domstadt gegen 10 Uhr, wo wir zunächst die Jugendherberge in Deutz ansteuerten, um unser Gepäck unterzustellen.
Die zentrale Lage machte es möglich, über die Hohenzollernbrücke direkt in die Innenstadt zu gehen und uns am Rheinufer auf kölsches Flair einzustimmen, bevor um 12 Uhr die Stadtführung begann. In gut 90 Minuten stellte uns Gernot in kurzweiliger, unterhaltsamer Art und mit leicht kölschem Dialekt die Highlights der Stadt vor, teils mit vollem Körpereinsatz. Erster Punkt war eine Plattform vor dem Kölner Dom, wo noch ein Teil des römischen Nordtores zu sehen ist. Hier wurden wir über die Entstehungsgeschichte Kölns informiert, erfuhren, dass Kaiser Nero ein halber Kölner ist und was es mit der „schäl Sick“ (falschen Rheinseite) auf sich hat. Heinzelmännchenbrunnen, altes Rathaus und der „Alter Markt“ mit dem „Kallendresser“ sowie dem Brunnen für Jan von-Werth, wo am 11. 11 offiziell die Karnevalsession und an Weiberfastnacht der Straßenkarneval mit zehntausenden Jecken eröffnet wird, waren weitere Sehenswürdigkeiten.

Aufgeklärt wurden wir auf unserer Tour auch, was es bedeutet, „Geschäfte zu machen“ und was unter „fringsen“ zu verstehen ist: nämlich „Mundraub begehen“. Der Begriff geht auf den Kölner Kardinal Joseph Frings und seine am 31. Dezember 1946 gehaltene Silvesterpredigt zurück, in der er mit Bezug auf die Plünderungen von Kohlenzügen und die schlechte Versorgungslage ausführte: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“ Natürlich durften bei den Highlights das Denkmal der Kölner Originale „Tünnes“ und „Schäl“ gegenüber von Groß St. Martin sowie der Dom nicht fehlen. Aufgrund der Domwallfahrt 2014 war eine Führung dort nicht möglich, jedoch konnten wir dem Pilgerweg durch die Kirche folgen und den Dreikönigsschrein aus nächster Nähe betrachten.

Ein kurzer Mittagsimbiss – dann stand auch schon eine Schifffahrt auf dem Rhein auf dem Programm, die wir bei strahlendem Sonnenschein auf dem Oberdeck der MS RheinEnergie genießen konnten. „Dass wir so ein Glück mit dem Wetter hatten… einfach schön!“
Nach so vielen Unternehmungen hieß es anschließend erst einmal Einchecken und Frischmachen in der Jugendherberge. Etwas in Sorge, ob des Abendessens (wir hatten nirgends vorgebucht und am Mittag vergeblich versucht, telefonisch noch einen Tisch für 12 Personen in einem Brauhaus zu bekommen), fiel unser Blick auf eine gegenüber der Jugendherberge liegende Gaststätte – und zufällig („et kütt wie et kütt“) war dort noch ein großer Tisch frei, an dem unsere „Vorhut“ so lange Kölsch trinken musste, bis alle eingetroffen waren. Wir waren im legendären „Lommerzheim“ gelandet, der vielleicht „kölschesten aller Kölschkneipen“. Im urigen Kellergewölbe des baufällig und verwahrlost anmutenden Gebäudes ließen wir uns das deftige Essen schmecken und ohne Nachfrage versorgte uns der Köbbes stets mit frisch gezapftem Kölsch. Ein Abendspaziergang führte uns zum „Panorama“, einer öffentlichen Besucherplattform auf dem Dach des KölnTriangle in über 100 Meter Höhe und eröffnete einen atemberaubenden Blick auf die nächtliche Domstadt („et jitt Saache, do jläuvs et nit“). Bei recht lauen Temperaturen ließen wir den Abend in gemütlicher Runde und verschiedenen Brauhäusern „em Hätze vun Kölle“ ausklingen. Nach einer ruhigen Nacht und einem guten Frühstück machten wir uns auf den Weg ins „HöViLand“, zur Kirche St. Theodeor in Köln-Vingst und zu Pfarrer Franz Meurer, den wir vor einigen Jahren im Domforum erlebt und bei dem wir uns nun zu einem Besuch angemeldet hatten.

„Von wegen nix zu machen.“ Der Titel eines seiner Bücher mag das Programm des katholischen Priesters kennzeichnen, mit dem er seit über 20 Jahren das Gemeindeleben in einem sozialen Brennpunktviertel gestaltet. Seine Kirche, entworfen von Paul Böhm (aus der Familie der berühmten Kirchenbaumeister Dominikus und Gottfried Böhm) und erst 2002 eingeweiht, spiegelt Einfachheit wider. Massiver Beton, unverputzt außen und innen mit Gussansätzen, unbehandeltes Holz, Glas, Kupfer, Eisen bestimmen das Bild; Blattgold ist einzig im Inneren des Tabernakels zu finden. Die Kirche war voll, als wir die hl Messe mitfeierten. Eindrucksvoll Kirchenbau und Akustik, vor allem aber zu erleben, wie Leben und Glaube zusammengehört – auch durch das Zeugnis und die Lebendigkeit von Pfarrer und Gemeinde. Nach dem Gottesdienst erwartete uns ein Gemeindemitglied, um uns den Kirchenbau zu erklären (mit dem Kreuzweg hoch zur Anbetungskapelle auf dem Dach), aber auch das Sozialzentrum im voll unterkellerten Kirchengebäude zu zeigen.

Gottes- und Nächstenliebe als wichtigste Aufgaben einer christlichen Gemeinde sind nicht voneinander zu trennen. Diesem Anspruch fühlt sich die Gemeinde in dem Kölner Vorort mit vielen benachteiligten Menschen in besonderer Weise verpflichtet, was bereits im Vorfeld des Kirchenneubaus zu einer Forderung nach einem umfangreichen Raumangebot für soziale Aufgaben im Wettbewerbsprogramm geführt hatte. So findet man nun ein großes Materiallager, z.B. für die Spielaktion, die jeweils in den ersten drei Sommerferienwochen stattfindet und an der 600 Kinder teilnehmen oder für Fahrräder, die aufbereitet und kostenlos abgegeben werden. Es gibt die Kleiderkammer und eine Gemeindeküche mit Lebensmittelausgabe (700 Menschen werden wöchentlich versorgt), ein Beratungszentrum, in dem ehrenamtliche Mitarbeiter, die aus ihrer beruflichen Tätigkeit eine entsprechende Qualifikation mitbringen, Menschen in sozialen Notlagen mit Rat und Tat zur Seite stehen und zwei große Werkstätten, wo pensionierte Handwerker beispielsweise Möbel und Gerätschaften umliegender Kindergärten und Schulen reparieren, aber auch kleinere Instandsetzungen für Bedürftige aus dem Viertel zum Selbstkostenpreis erledigen.
Diakonie und Liturgie unter einem Dach: die Kleiderkammer unter dem Altar, der Taufbrunnen über der Lebensmittelausgabe – einfach beeindruckend!!

Zum Abschluss durften wir die Gastfreundschaft der Gemeinde genießen. Zusätzlich zum sonntäglich stattfindenden Kirchenkaffee für alle Gottesdienstbesucher standen an eigens für uns gedeckten Tischen Kaffee, Wasser und Gebäck bereit, schon bald wurden auch noch heiße Kartoffelröstis serviert. Dabei gab es einen regen Austausch, zeitweise auch mit Pfr. Meurer, bevor wir uns mit herzlichem Dank verabschiedeten.
Noch eine kleine Pause am Rheinufer …dann ging es mit vielen Eindrücken und schönen Erlebnissen auf den Rückweg.
Nach der Hamburgfahrt mit Besuch der Seemannsmission im letzten Jahr auch diesmal wieder eine tolle Städtetour mit Inhalt und Unterhaltung für unseren Familienkreis.
Mal sehen, was uns für 2015 einfällt.