KAB St. Josef Hollage - Aus dem Glauben für eine gerechte Gesellschaft
veröffentlicht am 10. September 2015

Hohen Besuch hatte die KAB Hollage am 10.09.2015 ins Philipp-Neri-Haus eingeladen: Monsignore Peter Kossen, Ständiger Vertreter des Offizials im Offizialatsbezirk Oldenburg sprach im Rahmen der Pfarrfestwoche zum Thema „Gut wirtschaften: Moderne Sklaverei in Schlachthöfen oder Wie politisch muss Kirche sein?“ Bei der gut besuchten Veranstaltung – zu der auch in größerer Anzahl Alt-Wallenhorster gekommen waren, stellte er sich im Rahmen seines Lebenslaufs als Mitglied der Sozialverbände Kolping und KAB vor. Und stellte schon ziemlich am Anfang des Abends fest, dass ihm die großen Sozialverbände beim Thema der Bekämpfung der modernen Sklaverei in Schlachthöfen „zu schlapp“ erschienen.
Dann führte er aus, dass er im Rahmen einer Demo vor den Werkstoren einer Großschlachterei in seinem Offizialatsbezirk gegen Sonntagsarbeit von einem der Demonstranten, einem Fleischbeschauer des Landkreises, angesprochen wurde. Dieser sagte ihm, dass in dem Betrieb die Sonntagsarbeit das kleinere Problem sei, größere seien die Arbeitsbedingungen, die Unterbringung der Arbeiter und die dauernden Schikanen. Nachdem ihm auch auf anderen Kanälen von diesen Missständen berichtet wurden, nahm er sich dieses Themas an. Und stellte fest: wenn eine Person erst einmal für ein Thema steht, ist das beinahe ein Selbstläufer.

Seit er dieses Thema besetze, werde er oft eingeladen – wie vor kurzem noch beim Osnabrücker Bischof – wenngleich häufig nur ein einziges Mal. Freundlich und auch humorvoll stellte Kossens fest: „Ich habe nichts Persönliches gegen die Chefs der Fleischbranche.“ Aber: Der Hinweis, er würde die wirtschaftlichen Notwendigkeiten nicht erkennen, greife nicht. Denn: Mit den Werkvertragsverhältnissen – die von der Politik vor einem anderen Hintergrund geschaffen worden  wäre – wurden nunmehr mafiöse Organisationen auf die Werkshöfe geholt. Und wo ursprünglich im Rahmen der Werksverträge Arbeitsspitzen ausgeglichen werden sollten, besteht heute häufig die ganze Belegschaft der Betriebe aus osteuropäischen Arbeitern; der ehemaligen Stammbelegschaft sei gekündigt worden. Und: Diese Werkverträge machen Deutschland zum Billiglohnland wie man am Beispiel Danish Crown sehen könne, die diese Arbeitsbedingungen in ihrem Heimatland Dänemark nicht durchsetzen könnten.

Nur mafiaartige Organisationen seien fähig, die Arbeiter so auszubeuten und mit dem Hinweis zu erpressen, jederzeit andere Arbeitswillige aus den jeweiligen Heimatländern zu holen. Daher sei die Bereitschaft, etwas gegen diese Werkvertragsfirmen zu unternehmen, auch so gering. Und die Fleischwirtschaft stelle erst den Anfang dar – die anderen Branchen hätten dieses Geschäftsmodell auch bereits für sich entdeckt. Dieser Einschätzung pflichteten etliche Zuhörer/innen bei, die auch in ihren Betrieben den Beginn einer solchen Entwicklung entdeckt haben. Zur Zukunft führte Monsignore Kossen aus, dass neben den Ungerechtigkeiten in der Gegenwart auf den deutschen Steuer- und Beitragszahler enorme Kosten zukommen werden. Diese Arbeiter seien nicht krankenversichert und zahlen daher nicht in die Sozialkassen ein. Sie seien aber EU-Bürger – und würden höchstwahrscheinlich auch ihren Lebensabend in Deutschland verbringen und daher auch hier das Sozialwesen in Anspruch nehmen. Es war ein sehr interessanter Abend – es blieb der Anspruch, künftig auch weiterhin „Stachel im Fleisch“ und weniger „schlapp“ zu sein.