veröffentlicht am 3. April 2015

Wie seit einigen Jahren bei uns bewährte Tradition haben wir uns von unserem Familienkreis auch an diesem Karfreitag wieder einer „Leidensthematik“ gestellt. So hatten wir uns am 3. April um 10.30 Uhr zu einer Führung im Augustaschacht in Holzhausen-Ohrbeck angemeldet. Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer und die Zeit des Nationalsozialismus im Osnabrücker Land. Wir begannen im Außenbereich, wo uns Frau Lenz-Gust zunächst einführende Erklärungen zum Gebäude gab, das ursprünglich dem Klöckner-Werk gehörte und als Bergwerk der Erzgewinnung diente. Die Pumpstation ist bis heute in Betrieb.

Zuvor schon von der Wehrmacht als Kriegsgefangenenlager genutzt, richtete Anfang 1944 die Gestapo dort ein Arbeitserziehungslager ein, das vor allem der Bestrafung „auffällig“ gewordener ausländischer Zwangsarbeiter diente, die beispielsweise nicht die erforderte Arbeitsleistung erbracht oder zu fliehen versucht hatten. In dem KZ waren in den ca. 15 Monaten seiner Existenz insgesamt mehr als 2.000 Jugendliche und Männer ab etwa 14 Jahren inhaftiert. Zeitgleich saßen etwa 250 Personen ein, durchschnittlich für 8 Wochen, mitunter auch erheblich länger. Unter den Häftlingen waren insgesamt 17 Nationen vertreten: u.a. aus der Sowjetunion, Italien und Polen. Die größte Gruppe bildeten die Niederländer, von denen etwa 500 namentlich bekannt sind. In dem Lager inhaftierte die Gestapo auch sogenannte „jüdisch Versippte“, „Halbjuden“, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten, vermutlich auch Zeugen Jehovas. Die Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit im nahe gelegenen Hüttenwerk oder zum Räumen von Bombentrümmern in Osnabrück eingesetzt. Ihre Kleidung war mit der Abkürzung „AZ“ gekennzeichnet. Alles sollte zur Einschüchterung von über 25.000 Frauen, Männern und Kindern aus vielen europäischen Ländern dienen, die im 2. Weltkrieg in der Region Osnabrück arbeiten mussten. Das denkmalgeschützte ehemalige Lagergebäude, der Augustaschacht, ist Zeugnis schwerster Verbrechen. Mindestens 100 Gefangene überlebten die unmenschlichen Haft- und Arbeitsbedingungen nicht.

 

Nach dem Appellplatz, dem Bunker und den Grundmauern der Latrinen im Außenbereich konnten wir auch ehemalige Lagerräume sowie die Lagertreppe besichtigen (vielen Inhaftierten ist das Klappern der Holzschuhe auf den Stufen bis heute prägend im Gedächtnis) und die informative Ausstellung zur Geschichte des Arbeitserziehungslagers Ohrbeck und zur Zwangsarbeit in der Region Osnabrück erkunden.

An dieser Stelle möchten wir auf eine Veranstaltung der KAB und CAJ hinweisen: Am Dienstag, dem 12. Mai, findet – anlässlich des 70jährigen Jahrestages der Befreiung des Lagers –  um 19 Uhr im Forum am Dom unter dem Motto „Zwangsarbeit im Dritten Reich -| Zeitzeuge im Gespräch“ ein Informations- und Diskussionsabend statt, zu dem wir herzlich einladen. Igor Rudchin aus Sewastopol (Krim) wird als Gesprächspartner über seine Erlebnisse im Arbeitserziehungslager Ohrbeck berichten und mit den Gästen des Abends ins Gespräch kommen. Im Anschluss an die Führung fuhren wir zum Kloster Ohrbeck und feierten in der Kirche eine Andacht zum Leiden und Sterben Jesu. Anhand von Nägeln und Bildern von der Glasfront der Herz-Jesu-Kirche in München setzen wir uns mit der Leidensgeschichte Christi auseinander, mit der Geschichte der leidenschaftlichen Liebe Gottes zu uns Menschen. Ein gemeinsames einfaches Mittagessen mit Brot, Aufstrich und Käse rundete unseren Karfreitag ab.