KAB St. Josef Hollage - Aus dem Glauben für eine gerechte Gesellschaft
veröffentlicht am 30. Mai 2015

Zum 16. Sögeler Sozialtag waren am Samstag, dem 30. Mai, Interessierte aus dem KAB-Diözesanverband zusammengekommen, um sich intensiver mit dem Jahresthema  zu beschäftigen. Nach dem Stehkaffee stellte Diözesansekretär Andreas Luttmer-Bensmann unter dem Motto „Gut Wirtschaften mit Rückenwind aus Rom“ einige Äußerungen und Positionen von Papst Franziskus vor, der die Globalisierung der Gleichgültigkeit als vorherrschend beschreibt und dazu aufruft, gegen Ungerechtigkeit und Gewalt in der Welt vorzugehen. „Niemand darf sich von der Sorge um die Armen freisprechen“, mahnt der Papst beispielsweise und ruft dazu auf, gegen eine Wegwerfgesellschaft vorzugehen, die das menschliche Leben nicht mehr als vorrangigen Wert erkennt, den es zu achten und zu schützen gelte.

Diese Haltung des Papstes sei auch in den Würzburger Beschlüssen der KAB wiederzufinden, so Luttmer-Bensmann weiter. Stichpunkte wie kapitalistische Wirtschaftsweise, zunehmende Armut, fortschreitender Klimawandel, Wachstumsmodelle des „Mehr-Haben-Wollens“, Zerstörung von Arbeit, Sicherheit und Gerechtigkeit wurden ins Feld geführt und als schädlich beschrieben. Hier sind wir als KAB gefordert, neue Grundvoraussetzungen und Verhaltenweisen für gutes Wirtschaften zu erarbeiten und öffentlich zu machen. Und so stellten sich in einem zweiten Teil des Vormittags die Teilnehmer den Thesen von Andreas Siemoneit vom Förderverein Wachstumswende und Vereinigung für Ökologische Ökonomie aus Berlin und seinen herausfordernden Positionen zur Wachstumskritik/ Effizienzkritik. „Marktwirtschaft ist meines Erachtens die beste Wirtschaftsform, die wir haben, Geld eine soziale Errungenschaft ersten Ranges, Zins eine ökonomische Notwendigkeit und Kooperation nicht notwendig besser als Konkurrenz. Marktwirtschaft kann ein sehr menschliches, einfaches und robustes System sozioökonomischer Beziehungen sein.“

Und doch würden wir heutzutage viele Schattenseiten der Ökonomie erleben: Soziale Ungerechtigkeit, ökologischer Raubbau, entfremdete Arbeit, Lobbyismus, Korruption und Gier, wofür viele das System der Marktwirtschaft mit seinem privaten Eigentum, Konkurrenz und individuellem Gewinnstreben verantwortlich machen. Siemoneit meinte dazu: „Wir haben derzeit keine Marktwirtschaft, sondern Kapitalismus …“ und nannte Bedingungen für eine leistungsorientierte Marktwirtschaft in einer freiheitlichen Gesellschaft: Gesellschaftliche Obergrenzen für Ressourcenverbrauch und Vermögenskonzentration sowie die Begrenzung von Gewinnen aus Immobilien. Über diese begrenzenden Institutionen könnten Individuum und Gesellschaft wieder in eine „mentale Balance“ gebracht und nachhaltiges Handeln, aber auch Solidarität jenseits des Marktes ermöglicht werden.
Rückfragen und Anmerkungen folgten bevor sich nach dem Mittagessen Kleingruppen mit einzelnen Punkten näher beschäftigten:

Wachstumskritik und

  • Wirtschaft, die dem Menschen dient
  • Verteilungsgerechtigkeit
  • Bewahrung der Schöpfung
  • Kooperation

Es waren keine einfachen Fragestellungen, mit denen wir uns an diesem Tag beschäftigten und doch gab es interessante und kontrovers diskutierte Positionen und Gedankenanstöße, die eine weitere Auseinandersetzung in unseren KAB-Gruppen nötig machen. Mit einem Gottesdienst endete der Sozialtag.