Am Mittwoch, d. 7. Oktober, am Welttag für menschenwürdige Arbeit, luden die KAB-Diözesanverbände Münster und Osnabrück in den Großen Saal des Rathauses in Recke ein, wo die bundesweite Auftaktveranstaltung zur KAB-Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ stattfand. Unter dem Motto „Waren fahren – Würde bewahren. Gute Arbeit auf dem Lkw“ ging es um die Situation von Berufs-Kraftfahrern und -Kraftfahrerinnen auf deutschen Autobahnen.
Es ging um Menschen, die viele Stunden unterwegs sind, oft lange von ihren Familien getrennt leben und ihre Pausen und Ruhezeiten unter schwierigen Bedingungen verbringen. Fehlende Stellplätze, schlechte sanitäre Einrichtungen, Zeit- und Kostendruck in der Transportbranche gehören für viele zum Arbeitsalltag.
Unter der Moderation von Stefan Wöstmann, Diözesansekretär der KAB Osnabrück, diskutierten im Podium NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann, Szabolcs Sepsi vom Netzwerk „Faire Mobilität“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und Pfarrer Peter Kossen (Lengerich) über Arbeitsbedingungen und die Situation der LKW-Fahrenden. Yvonne Willicks, Schirmherrin der Aktion im Diözesanverband Münster, hatte krankheitsbedingt leider absagen müssen.
Im Laufe des Abends kamen viele Punkte zur Sprache. So berichtete Minister Laumann zu Beginn, dass es kaum einen Bereich mit so starker Regulierung gebe wie den LKW. Trotzdem war auch er, wie viele Teilnehmende, überrascht über die geschilderten Zustände hinsichtlich Hygiene, Versorgung, Sicherheit oder Bezahlung. Es sei eben eine Parallelwelt, die wir erleben, es gebe keine Schnittmengen, so dass wir über viele Zustände nicht informiert seien, so Pfarrer Kossen. Wussten Sie beispielsweise, dass ein LKW-Fahrer, der vor Firmen auf eine Entladung am nächsten Vormittag warten muss, keine Gelegenheit hat, zur Toilette zu gehen? Oder dass viele 3 Monate oder länger am Stück unterwegs sind („Wohnen auf Rastplätzen“ sozusagen). Haben Sie sich schon einmal Gedanken gemacht, was die Männer und Frauen im Krankheitsfall machen? „Augen zu und durch“ heißt es dann häufig – wenn nicht Institutionen wie „DocStop“ helfen (https://www.docstop.eu/). Wussten Sie, dass ein LKW-Fahrer eigentlich jeweils den Mindestlohn des Landes bekommen muss, durch das er fährt. Das passiert aber nicht; in der Regel wird nur der Lohn des Landes gezahlt, für das er fährt. „Wo kein Kläger, da kein Richter!“ Vom Verdienst müssen dann die teils hohen Kosten für Verpflegung an den Rastplätzen bezahlt werden, Kosten für Toilette und Dusche.
Wir sollten uns in diesem Zusammenhang darüber nachdenken, ob die Bezahlung anständig oder unanständig sei, gab Pfarrer Kossen zu bedenken. Die Äußerung „Für viele Fahrer aus den osteuropäischen Ländern ist die Bezahlung doch besser als zuhause“, sei zumindest ungerecht, wenn nicht gar rassistisch. Als KAB müssten wir uns die Frage stellen: „Was ist würdig und gerecht?“
Szabolcs Sepsi führte im Weiteren aus, dass sie vom Netzwerk „Faire Mobilität“ rausfahren auf die Rastplätze, um mit den LKW-Fahrern ins Gespräch zu kommen. Aktiv nachfragen, sich beschweren und/oder um Hilfe bitten, würden nur Fahrer, die in Deutschland angestellt seien. Ausländische Fahrende würden von sich aus nie kommen.
Abschließend gilt festzuhalten, dass es ein interessanter und wichtiger Austausch war, der uns als KAB bestärkt hat, uns weiterhin für menschenwürdige Arbeit einzusetzen. Wir unterstützen die Forderungen des Vereins „Sozialmaut“ sowie der Gewerkschaft ver.di und des DGB, dass Transportunternehmen für jeden gefahrenen LKW-Kilometer einen Cent zusätzlich zahlen. Dieses Geld soll in kostenlose Sanitäranlagen, Trinkwasserversorgung, Sozialräume, günstige Mahlzeiten und medizinische Hilfe an Raststätten fließen. Für eine solche Idee war auch Minister Laumann offen, denn ohne ausländische Kräfte wäre unser Land nicht handlungsfähig, wie er betonte. Er wolle mal beim Verkehrsminister nachfragen. „Es sei ja nicht der erste Kampf, den die KAB gewinne!
Wer die Podiumsdiskussion noch einmal anschauen möchte, kann das tun unter: https://www.youtube.com/watch?v=5K9qFEv_GjY&t=11s
Am 6. Dezember werden auch wir von der KAB Hollage Nikolaustüten in die Fahrerhäuser bringen. Wer mitmachen möchte darf sich gerne bei uns melden (F. J. Strunk, Tel. 5335) oder am Montag, d. 26.10. um 19.00 Uhr zum Vorbereitungstreffen der Aktion ins Philipp-Neri-Haus kommen.
Auch über eine finanzielle Unterstützung würden wir uns freuen. Vielen Dank!
KAB Hollage. IBAN: DE62 2659 0025 0102 4310 00







